Bauleistungsversicherung

Allgemeine Informationen

Bei der Bauleistungsversicherung – früher auch Bauwesenversicherung oder Bauversicherung genannt – handelt es sich um eine Absicherung für im Bau befindliche Objekte. Versichert sind Bauleistungen, Baustoffe und Bauteile.

Rechner und Tools

BGV Online-Rechner Bauversicherung

BGV Online-Rechner Bauversicherung

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Ansprechpartner und Formulare

Produktwissen

Definition der Bauleistungsversicherung

In der Bauleistungsversicherung werden Lieferungen und Leistungen (Bauleistungen, Baustoffe und Bauteile) für im Versicherungsvertrag bezeichnete Bauvorhaben gegen unvorhergesehene Beschädigungen oder Zerstörungen versichert. Als unvorhergesehen bezeichnet man Schäden, die vom Versicherungsnehmer (Bauherr oder Auftraggeber), dem (General-)Unternehmer oder deren Repräsentanten nicht rechtzeitig – auch mit dem erforderlichen Fachwissen – erkennbar gewesen wären. Ein grob fahrlässiges Verhalten schadet jedoch dem Versicherungsschutz und führt zu einer Leistungskürze der Schwere des Verschuldens entsprechend.

Laufzeiten und Bedingungen der Bauleistungsversicherung

Die Bauleistungsversicherung wird in der Regel für ein bis drei Jahre abgeschlossen. Nach den ABN (allgemeine Bedingungen für die Bauleistungsversicherung durch den Auftraggeber) endet der Vertrag zum vereinbarten Ablauf oder

  • mit der Bezugsfertigkeit,
  • nach Ablauf von sechs Werktagen seit Beginn der Benutzung oder
  • mit dem Tag der behördlichen Gebrauchsabnahme.

Für das Vertragsende ist der frühste von den vorab genannten Zeitpunkten maßgeblich.

Die Prämie für die Bauleistungsversicherung kann der Bauherr auf die am Bau beteiligten Unternehmen umlegen. Das ist am Markt üblich und muss vom Bauherrn in der Ausschreibung mitgeteilt werden.

Wichtige Begriffe

  • Bauhilfsstoffe

    Stoffe, die dem Bauherren oder Unternehmer helfen, eine Tätigkeit auf dem Bau durchzuführen, bezeichnet man als Bauhilfsstoffe. Dazu zählen unter anderem Kleinmaterialien, Schmierstoffe und Treibstoffe.

  • Hilfsbauten

    Hilfsbauten stehen in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Vertragsleistung. Dazu zählen unter anderem Bauzäune, Gerüste oder Spundwände.

  • Schadensuchkosten

    Wenn ein Sachschaden an einer Bauleistung entsteht, kann es passieren, dass die Ursache nicht sofort erkennbar ist (zum Beispiel wenn Wasser austritt und einen Teil des Baus unter Wasser setzt, jedoch nicht sofort erkennbar ist, wo das Wasser austritt.). Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Ermittlung der Schadenursache stehen, nennt man Schadensuchkosten; sie können in der Bauleistung bis zum Sublimit auf erstes Risiko mitversichert werden.

  • Restarbeiten

    Restarbeiten sind auszuführende Arbeiten, die Bauunternehmen nach Fertigstellung und Abnahme des Baus vollziehen. Restarbeiten sind über die Klauseln 90 oder 91 der ABN/ABU im Rahmen der Nachhaftung mitversicherbar.

  • Unabwendbare Ereignisse

    Unabwendbare Ereignisse sind vom Auftragnehmer unverschuldete Ereignisse, die über die aktuelle Rechtsprechung definiert werden. Nach VOB Teil B § 7 trägt der Bauherr hierfür das Risiko.

    Ein unabwendbares Ereignis

    • kann betriebsfremden Ursprungs sein,
    • kann voraussehbar sein und muss nicht außergewöhnlich sein.
  • Höhere Gewalt

    Als „höhere Gewalt“ bezeichnet man ein Ereignis, das vom Auftragnehmer nicht zu vertreten ist. Da es keine eindeutige Begriffsdefinition gibt, leitet sich der Begriff aus der aktuellen Rechtsprechung und dem VOB Teil B § 7 ab. Grundsätzlich lässt sich festhalten, „höhere Gewalt“

    • muss betriebsfremden Ursprungs sein
      (also von außen auf das Objekt einwirken),
    • muss unvorhersehbar sein
      (auch außergewöhnliche Ereignisse gelten als unvorhersehbar) und
    • muss unabwendbar sein
      (trotz größter Sorgfalt und entsprechend zumutbarer Vorkehrungen ist das Ereignis nicht verhinderbar oder kann in seinen Folgen unschädlich gemacht werden).

    Insbesondere elementare Naturereignisse und unvorhersehbare Handlungen dritter Personen (böswillige Beschädigung, Verbrechen, und so weiter) sind „höhere Gewalt“.

  • Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (abgekürzt VOB)

    Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) – bis August 2002 „Verdingungsordnung für Bauleistungen“ – regelt

    • die Vergabe von Bauaufträgen durch die öffentlichen Auftraggeber (Teil A),
    • die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen (Teil B) und
    • die allgemeinen technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (Teil C).

    Im Bauvertrag ersetzt die VOB/B die AGB und ist nicht der AGB-Kontrolle unterworfen. Da im Werkvertragsrecht nicht alle Besonderheiten des privaten Baurechts Berücksichtigung finden, werden mit der VOB/B allgemeine Regelungen für das Baurecht aufgestellt.

  • Verlängerungsprämie

    Die Bauleistungsversicherung hat einen festen Ablauftermin. Wenn dieser erreicht wird und das Bauobjekt noch nicht vollständig fertig gestellt wurde, dann sollte die Bauleistungsversicherung verlängert werden. Wenn zu Vertragsbeginn keine feste Prämie vereinbart wurde, kann der Versicherer bei der Verlängerung des bestehenden Vertrages eine andere Prämie anbieten.

    Um für diesem Fall vorbereitet zu sein, sollte beim Abschluss der Bauleistungsversicherung eine Verlängerungsprämie vereinbart werden.

Ein- und Ausschlüsse

In den folgenden Punkten sind für Sie zusätzlich versicherbare Elemente und Ausschlüsse zusammengefasst, die beim Abschluss einer Bauleistungsversicherung berücksichtigt werden sollten.

  • Allgemeine Ausschlüsse

    Nicht versicherbare Sachen sind:

    • Wechseldatenträger
    • bewegliche und sonstige, nicht als wesentliche Bestandteile einzubauende Einrichtungsgegenstände
    • maschinelle Einrichtungen für Produktionszwecke
    • Baugeräte einschließlich Zusatzeinrichtungen wie Ausrüstungen, Zubehör und Ersatzteile
    • Kleingeräte und Handwerkzeuge
    • Vermessungs-, Werkstatt-, Prüf-, Labor- und Funkgeräte sowie Signal- und Sicherungsanlagen
    • Stahlrohr- und Spezialgerüste, Stahlschalungen, Schalwagen und Vorbaugeräte, ferner Baubüros, Baubuden, Baucontainer, Baubaracken, Werkstätten, Magazine, Labors und Gerätewagen
    • Fahrzeuge aller Art
    • Akten, Zeichnungen und Pläne
    • Gartenanlagen und Pflanzen

    Nicht versicherbare Gefahren und Schäden sind:

    • Mängel der versicherten Lieferungen und Leistungen sowie sonstiger versicherter Sachen
    • Verluste von versicherten Sachen, die nicht mit dem Gebäude fest verbunden sind
    • Schäden an Glas-, Metall- oder Kunststoffoberflächen sowie an Oberflächen vorgehängter Fassaden durch eine Tätigkeit an diesen Sachen
  • Zusätzliche Einschlüsse

    Zusätzlich versicherbare Sachen sind:

    • medizinisch-technische Einrichtungen und Laboreinrichtungen
    • Stromerzeugungsanlagen, Datenverarbeitungs- und sonstige selbstständige elektronische Anlagen
    • Bestandteile von unverhältnismäßig hohem Kunstwert
    • Hilfsbauten und Bauhilfsstoffe
    • Baugrund und Bodenmassen, soweit sie nicht Bestandteil der Lieferungen und Leistungen sind
    • Altbauten, die nicht Bestandteil der Lieferungen und Leistungen sind

    Zusätzlich versicherbare Gefahren und Schäden sind:

    • Verluste durch Diebstahl mit dem Gebäude fest verbundener versicherter Bestandteile
    • Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Luftfahrzeugschäden
      • Anprall oder Absturz eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung
      • Brand ist ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und das sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag
      • Blitzschlag ist der unmittelbare Übergang eines Blitzes auf Sachen
      • Explosion ist eine auf dem Ausdehnungsbestreben von Gasen oder Dämpfen beruhende, plötzlich verlaufende Kraftäußerung. Eine Explosion eines Behälters (Kessel, Rohrleitung usw.) liegt nur vor, wenn seine Wandung in einem solchen Umfang zerrissen wird, dass ein plötzlicher Ausgleich des Druckunterschieds innerhalb und außerhalb des Behälters stattfindet. Wird im Innern eines Behälters eine Explosion durch chemische Umsetzung hervorgerufen, so ist ein Zerreißen seiner Wandung nicht erforderlich
    • Schäden durch Gewässer und/oder durch Grundwasser, das durch Gewässer beeinflusst wird, infolge von
      • ungewöhnlichem Hochwasser
      • außergewöhnlichem Hochwasser

Schadenbeispiele

Eine Auswahl an Haftungsbeispielen wurde hier zusammengefasst.

  • Unbekannte Dritte

    Unbekannte Dritte:

    • beschädigen über Nacht die eingebaute Heizungsanlage.
    • beschädigen die elektrischen Leitungen.
    • zerstören zum Einbau bestimmte Materialien (zum Beispiel Glasscheiben), die in einem separaten verschlossenen Raum gelagert werden.
    • stellen im Winter die Heizungsanlage ab. Dadurch frieren die Rohrleitungen ein und platzen.
    • besprühen nachts das Gebäude und zerstören die eingebauten Fenster und Türen.
    • schließen eine auf dem Baugrundstück herumliegenden Wasserschlauch an den Hydranten an und setzten das Grundstück und die Baugrube unter Wasser.
  • Naturereignisse
    • Ein außergewöhnlich starker Sturm reißt Bauleuchten aus der Verankerung und diese beschädigen das Dach des Bauobjekts so stark, dass Wasser eindringt und Schäden am Dach und dem Mauerwerk verursachen.
    • Ein außergewöhnlich starker Sturm beschädigt Teile der Dacheindeckung und vom Dachstuhl.
    • Ein sehr starker Regen setzt den Keller unter Wasser. Das Mauerwerk quillt auf und die gelagerten Einbauteile und Materialien sind zerstört.
  • Sonstige Ereignisse
    • Ein tragender Balken stürzt aufgrund eines Konstruktionsfehlers ein. Es entstehen hohe Schadenbeseitigungskosten.
  • Leitungswasser
    • Eine fehlerhafte Wasserverbindung setzt das gesamte Objekt unter Wasser.
  • Über den Zusatzbaustein Brand, Blitzschlag, Explosion versicherbar
    • Die eingebaute Heizungsanlage fängt Feuer und der Brand zerstört das Objekt (über den Zusatzbaustein Feuer mitversicherbar).
  • Über eine Bauleistungsversicherung für Umbauten versicherbar
    • Beim Anbau einer Garage stürzt das Hauptgebäude, da es nicht unterfangen wurde, zur Seite ein.
    • Der Dachstuhl eines bestehenden Gebäudes wird zu Wohnzwecken ausgebaut. Dabei werden neue elektrische Leitungen verlegt, die einen Brand verursachen. Das gesamte Gebäude brennt aus.
  • Nachhaftung
    • Ohne es zu bemerken, verstopfen durch Bauschutt und Ablagerungen die Grundleitungen während der Bauzeit. Nach der Abnahme und dem Bezug des Gebäudes kommt es zu einem Rückstau in der Rohranlage.
    • Während der Bauzeit wurde eine gelegte Wasserleitung, die nur im Sommer genutzt wird, beschädigt. Nachdem das Objekt im Winter bezogen wurde, wird die Leitung im Sommer in Betrieb genommen. Dabei tritt Wasser aus und setzt den Keller unter Wasser.
    • Die eingebaute Fußbodenheizung ist während des Einbaus beschädigt worden. Nach Inbetriebnahme quillt allmählich der Fußboden auf und muss erneuert werden.

    Erklärung: Ohne Nachhaftungsklausel würden nur die Reinigungs- bzw. Schadenbeseitigungskosten übernommen werden. Mit der Klausel 90 wird eine Nachhaftungszeit vereinbart, die auch die Folgeschäden mitversichert, die während der versicherten Bauzeit auf der Baustelle verursacht wurden.

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